17.10.2024, 13:26 Uhr

Zum Wasserstoffprojekt in Mössingen
Gemeinderatskolumne

Vergangenen Montag wurde im Gemeinderat über die Vergabe des Wasserstoffprojekts H2 Grid abgestimmt. Die Mehrheit des Gemeinderates hat für die Vergabe gestimmt – die CDU einstimmig dagegen. Ewige Fortschrittsverweigerer? 
Wir möchten uns erklären. 

Zum Hintergrund des Projekts: Die Stadtwerke Mössingen planen eine Kooperation mit den Stadtwerken Tübingen, der FairNetz GmbH Reutlingen und den Stadtwerken Rottenburg sowie Unternehmen aus der Wirtschaft. Dieses Projekt soll durch die Hochschulen Ulm, Reutlingen und Rottenburg wissenschaftlich begleitet werden. 
Es soll eine Elektrolyseur-Kleinanlage mit einer Leistung von 30 kW am Freibad Mössingen eingerichtet werden. 
Zur Hintergrundinformation der Wasserstoffidee: 
Die Zukunft der Energieerzeugung soll „grün“ und CO2-neutral werden. An sonnigen und windigen Tagen gibt es durch diese Techniken genügend Strom aus erneuerbaren Energien im System – manchmal sogar zu viel. Eine Lösung könnte sein, diesen Strom mittels Elektrolyse in Wasserstoff zwischenzuspeichern. Der Energieträger Wasserstoff kann dann unter weiterem Energieverlust umgewandelt und vielseitig eingesetzt werden: in Wärme, Strom, Mobilität und Industrie.  
Betrachtet man die Energieverlustkaskade bei der Umwandlung von erneuerbarem Wechselstrom in Gleichstrom, mittels Elektrolyse in Wasserstoff, Umwandlung des Wasserstoffs durch eine Brennstoffzelle wieder in Wechselstrom bleibt von einem Ausgangswert von 100% nur noch 20-25% übrig. 
In unserem Mössinger Projekt soll der Wasserstoff durch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) am Freibad in Mössingen verstromt werden. Der elektrische Wirkungsgrad des geplanten BHKWs beläuft sich auf 25,6%, der thermische Wirkungsgrad auf 68,4%. Betrachtet man den Nutzungsgrad der Elektrolyseanlage (32,3%) sowie den Nutzungsgrad des BHKWs (29,6%) ergibt sich daraus, dass der Strom aus Wasserstoff aktuell das 5-fache und die Wärme das 2-fache des üblichen Preises kostet. 
So vielversprechend die Wasserstoffidee ist, so schwierig ist gerade die wirtschaftliche Umsetzung dieser Projekte, die noch in den Kinderschuhen stecken. 
Momentan häufen sich die Nachrichten, dass der Bau von Elektrolyseuren (trotz massivster staatlicher Subventionen!) aufgrund der schlechten Wirtschaftlichkeit abgesagt werden (z.B. die Raffinerie Heide). 
Die bis jetzt geplanten Gesamtprojektkosten belaufen sich bis 2027 auf 651.790€, wobei damit gerechnet wird, dass (aus Steuergeldern) 45% gefördert werden, sodass Mössingen rund 358.500€ Eigenmittel aufbringen muss.

Die Vorteile dieses Projektes sind eher ideeler Art. Man könnte es „Investitionen in die Zukunft“ nennen. Durch dieses Projekt können Erfahrungen und Know-How mit dieser neuen Wasserstofftechnologie und insbesondere der Netzdienlichkeit der H2-Nutzung gesammelt werden, es wird ein Beitrag zu dem Verbund der Stadtwerke geleistet undwir als Mössinger (!) helfen eine Technologie zu etablieren, die (vielleicht und momentan so postuliert) die Zukunft sein wird?

Wir als CDU-Fraktion möchten sehr gerne zur Reduktion unserer CO2-Emissionen beitragen, um unsere schöne Schöpfung zu bewahren (die wir hier in Mössingen in vollen Zügen genießen können). Aber das muss vernünftig sein. 
Es würden durch dieses Projekt ca. 4000 kg Erdgas nicht verbrannt werden. Daraus hätten wir eine CO2 Ersparnis von 8,92 t CO2, basierend auf einem Emissionsfaktor von 2,23 kg CO2/kg Erdgas. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß eines Menschen in Deutschland beträgt ca. 10,3t/Jahr (durch Heizen, Ernährung, Konsum, Verkehr). Die Investitionen von 650.000€ spart dem Klima also etwa das, was wegfallen würde, wenn EIN umweltbewusster Mensch aus Mössingen wegziehen würde. Wenn wir diese Summe in Photovoltaikanlagen investieren würden, könnten wir pro Jahr eine CO2-Ersparnis von 150-195t erreichen. 
Wir finden, diese Zahlen sprechen für sich. 
Außerdem möchten wir als CDU uns auf die großen Player verlassen, wie z.B. das Max-Planck-Institut und andere weitgehend staatlich getragenen Forschungseinheiten. Diese betreuen derzeit schon H2-Forschungsprojekte und wir vertrauen darauf, dass diese ihre Expertise bündeln und wir als Kommune von diesen Forschungsergebnissen dann profitieren können. 
Welche Energieträger in Zukunft das Rennen machen werden ist aktuell noch offen. Zu diesem Zeitpunkt viel Geld in ein Projekt mit fragwürdigem Mehrwert zu investieren halten wir als CDU nicht für sinnvoll.
Außerdem müssen wir als Kommune unsere Gelder rational und zum Wohle der Kommune einsetzen. Das bedeutet für uns und unsere eher „klammen Kassen“, dass es eine unideologische Priorisierung der Investitionen geben muss in Projekte, die drängend und wichtig für die Menschen vor Ort sind, wie z.B. die Sanierung und Instandhaltung von Schwimmbädern, Spielplätzen, Kindergärten und Schulen. Das sind die Kernaufgaben der Kommune. 

Judith Rexer für die CDU-Fraktion


Interessante Themen für Sie:

GEMEINDERAT