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24.01.2016, 16:15 Uhr
Fünf Jahre grün-rote Bildungspolitik - eine verheerende Bilanz!
Was würde die CDU anders machen? Diskussionsabend mit Dr. Matthias Burchardt

Ein Vortrag des Kölner Bildungsforschers Dr. Matthias Burchardt bildete den Einstieg in eine Diskussionsveranstaltung zur Bildungspolitik, die die CDU im oberen Steinlachtal gemeinsam mit der Mittelstandsvereinigung am Freitagabend, 22.1.16, im Saal des Restaurants „Lamm“ organisiert hatte. Danach bezogen der CDU-Kandidat für die Landtagswahl Klaus Tappeser, sein Mössinger Zweitkandidat Dirk Abel und der Unternehmer Joachim Braun Stellung. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Christine Jerabek, der Vorsitzenden des Arbeitskreises Bildung der CDU im Kreis Tübingen.

Mössingen -

Ein kurzer Rückblick zeigt: Die entscheidenden Themen im Wahlkampf 2011 waren das Verkehrsprojekt Stuttgart 21 und das Reaktorunglück in Japan. Grün-Rot wurde nicht gewählt, um die Bildungslandschaft grundsätzlich zu verändern. 

Was ist daraus geworden? Stuttgart 21 wird gebaut, die Energiewende liegt weitgehend in den Händen der Bundesregierung, und gerade hier in Baden-Württemberg ist wenig geschehen. Ausgerechnet aber die neue Bildungspolitik hat für die Schulen im Land radikale Veränderungen gebracht.

Dies wurde durch drei Entscheidungen der Grün-Roten Bildungspolitiker erreicht:  

                -      Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung
               
                -      Massive Bevorzugung der Gemeinschaftsschule bei der Zuteilung von Geldern und Lehrern
 
                -      Druck auf Kommunalpolitiker, bei rückläufigen Schülerzahlen den Schulstandort zu erhalten.

Dadurch wurde enormer Druck auf die Kommunalpolitik aufgebaut mit der Folge, dass auch im oberen Steinlachtal Werkrealschulen und Realschulen in Gemeinschaftsschulen mit verbindlichem Ganztageskonzept umgewandelt werden mussten.  

Die Gemeinschaftsschule erhebt einen hohen Anspruch: Wissensvermittlung durch Lehrer wird durch selbst organisiertes Lernen ersetzt, was häufig am Computer stattfindet und effektiver sei. Lernbegleiter/Coaches vermeiden Korrekturen, die das Selbstwertgefühl der Schüler beeinträchtigen könnten. Vergleichende Leistungsmessung innerhalb einer Gruppe sei ungerecht, weshalb statt einer Benotung nur der individuelle Leistungsfortschritt festgestellt wird. Erst beim eventuellen Übergang zur gymnasialen Oberstufe oder in andere weiterführende Schulen sollen „virtuelle“ Noten ermittelt werden.    
  

Zu den Ergebnissen der aktuellen Bildungspolitik war die Aussage von Dr. Burchardt glasklar: die Reform der grün-roten Landesregierung war weder notwendig noch war sie erfolgreich!  

Sie war nicht notwendig, weil bis dahin

-        jedem Kind nach seinen Fähigkeiten ein Bildungsweg ermöglicht wurde

-        jeder Bildungsabschluss auch zum Eintritt in eine weiterführende Bildungseinrichtung berechtigte

-        die Schüler in Baden-Württemberg in nationalen und internationalen Bildungstests wie „PISA“ stets in der Spitzengruppe waren

-        das Land die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa hatte  

Und sie ist, gemessen an den eigenen Ansprüchen, gescheitert:

Das neueste Gutachten von Prof. Bohl aus Tübingen, das von der grün-roten Landesregierung selbst mit großem Aufwand und hohen Kosten in Auftrag gegeben wurde, stellt fest, dass „die Gemeinschaftsschule das gleiche Niveau wie die bisherigen Schulformen erreicht“. Die Gemeinschaftsschule hat damit trotz hoch motivierter Kollegien und trotz eines immensen Einsatzes von Geld und zusätzlichen Lehrerstunden die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllt.

-   Gerade Kinder aus bildungsschwachen Familien brauchen eine gezielte Anleitung und sind nicht in der Lage, sich selbst zu orientieren und zu beurteilen. Von selbst organisiertem Lernen profitieren nur die „starken“ Schüler.

-    Immer mehr Eltern, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder auf Privatschulen, wodurch diesoziale Ungleichheit massiv gefördert wird.

-    Die Anmeldungen für Gemeinschaftsschulen sind überall dort, wo Eltern noch die Wahl haben, bereits wieder rückläufig.

Angesichts von Reformkosten im hohen dreistelligen Millionenbereich ist dieses Ergebnis erschreckend! 

  
Dr. Burchardt mit Empfehlungen für die CDU


Was würde eine eventuelle CDU-geführte Regierung nach der Landtagswahl anders machen? Klaus Tappeser nahm hierzu dezidiert Stellung:

-    die bisher eingeführten Gemeinschaftsschulen bleiben erhalten; es soll endlich Ruhe in die Bildungspolitik kommen. Kinder und Eltern brauchen Erwartungssicherheit.

-    Es soll wieder echtes Lernen statt leerer Beschäftigung im Mittelpunkt stehen

-    Eine längere gemeinsame Orientierungsphase in der Grundschule (6 Schuljahre) muss angedacht werden

-    Eine objektive, vergleichende Leistungsmessung ist auch im Hinblick auf die spätere berufliche Ausbildung unumgänglich.  

Dirk Abel unterstützte vor allem den Wunsch von anwesenden Eltern auf Wahlfreiheit im Hinblick auf den Ganztagesunterricht. Diese Eltern betonten für ihre Kinder das Elternrecht auf Erziehung. Ebenso unterstützte er den Wunsch nach Wiedereinrichtung mindestens einer Realschule im Steinlachtal. 

Der Unternehmer Joachim Braun verlangte für die Mittelstandsvereinigung Schulabgänger, deren Ausbildungsfähigkeit und Leistungswille für Wirtschaft und Gesellschaft - vor allem aber für die Schüler selbst - positiv und erfolgreich ist.         

 

 Von links nach rechts: Joachim Braun, Klaus Tappeser, Christine Jerabek, Matthias Burchardt und Dirk Abel